Magenkrebs und Speiseröhrenkrebs überleben
Magenkrebs und Speiseröhrenkrebsüberleben

erste Hilfe

Dieses Thema könnte ich tatsächlich mit dem Satz beginnen: der liebe Gott hat mir in der größten Not zwei Engel geschickt!

 

Der erste kam mir in Gestalt meines etwas verschrobenen Nachbarn zwei Tage nach meiner ersten Diagnose morgens auf dem Gehweg entgegen. Ich hatte schon fast vergessen, dass er vor etwa 7 Jahren mal Darmkrebs gehabt hatte, und meine Frau hatte ihn offenbar schon kurz über meine Erkrankung informiert. Ich wusste nicht recht, was ich sagen sollte. Er jedoch klopfte mir freundlich auf die Schulter und sagte nur aufmunternd: "Willkommen im Club!"

Natürlich bemerkte er meine Überraschung und Sprachlosigkeit und erklärte mir dann: "Immerhin laufen hier in unserem Dorf mindestens 30 Leute rum, die alle schon mal Krebs hatten, inklusive meiner Wenigkeit. Ich sag das nur, damit du jetzt nicht als allererstes zum Friedhof rennst und dir einen Platz reservierst..."

In seiner unnachahmlich knorrigen Art hatte er mir tatsächlich den allerersten Anstoß zu einer etwas anderen Sichtweise gegeben. Es war tatsächlich der erste Moment seit Tagen, in dem ich einen ersten ganz leicht positiven Gedanken fassen konnte: vielleicht habe ich ja Glück, und es wird alles doch nicht ganz so schlimm...

 

Der zweite Engel rief dann am selben Abend bei mir an: ein guter Freund, der weit weg wohnt und Arzt ist, hatte von meiner Erkrankung erfahren. Er erklärte mir in einem sehr langen Gespräch und in sehr vielen Einzelheiten, dass meine Diagnose noch sehr viel Raum für positive Umstände lässt, dass es z.B. vielleicht noch eine "lokale" Erkrankung sei, also ohne Metastasen, vielleicht noch nicht allzu weit fortgeschritten, und dass vielleicht sogar noch Aussicht auf Heilung bestehen würde. Seine abschließende Botschaft war in dieser Situation vielleicht die wichtigste:

er erklärte mir, dass ich meine letzte Kraft auf keinen Fall für schlaflose Nächte und verzweifelte Tage verschwenden dürfe, denn ich würde meine ganze Kraft noch für die Heilung brauchen. Und deshalb würde er mir ab sofort die Einnahme eines leichten Psychopharmakon empfehlen und verordnen, damit ich die nächsten Tage etwas besser überstehen würde.

Gesagt, getan.

An diesem Tag fing ich damit an, trotz meiner schlimmen Situation auch die wenigen positiven Dinge wahrzunehmen, egal was dabei herauskommen würde. Das hat mir seitdem immer geholfen. 

 

 

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