Magenkrebs und Speiseröhrenkrebs überleben
Magenkrebs und Speiseröhrenkrebsüberleben

den Umgang mit den neuen Bedingungen lernen

Auch nach weit mehr als einem Jahr stelle ich immer noch Verbesserungen in allen möglichen Dingen fest. Ich steigere immer noch meine Essensportionen ganz geringfügig, die  Verdauung bekomme ich immer besser in den Griff, und auch schwierige Dinge wie mehrtätige Urlaubsaufenthalte gelingen immer besser.

Dennoch habe ich zunehmend das Gefühl, dass diese Entwicklungen nicht ewig so weitergehen werden. Manchmal habe ich sogar das Gefühl, dass mir bestimmte Dinge schwerer fallen als noch vor ein paar Monaten.

Es ist ein ständiger Balanceakt: man möchte immer wieder kleine Verbesserungen oder Steigerungen erreichen, aber gleichzeitig führt man sich immer näher an die Grenzen der körperlichen und mentalen Möglichkeiten.

 

Ein paar Beispiele:

 

Essen - die Aufnahme möglichst vieler kleiner Mahlzeiten pro Tag hindert mich oft daran, längeren Freizeitaktivitäten wie Wanderungen u.s.w. nachzugehen. Denn nach dem Essen (auch etwas kleinerer Portionen) kann ich nicht gut weiterlaufen. Also esse ich unterwegs nichts, und abends hau ich mir eine extra große Portion rein. Dabei stelle ich fest, dass meine Verdauung umso empfindlicher reagiert, je größer die Essensportionen sind. Fett oder Zucker haben bei größeren Mahlzeiten auch größere Wirkung. Durchfall oder Dumping entstehen leichter.

Einladungen ins Restaurant folge ich gern wegen der Geselligkeit, aber das Essen dort wird mir schnell zur Qual, weil man da irgendwie immer zu schnell und zu viel isst und danach nur noch ganz schnell auf's Sofa will.

 

Schlafen - wegen der Refluxgefahr habe ich lange Zeit mit weit erhöhtem Oberkörper geschlafen und mir dadurch mit der Zeit Rückenprobleme eingehandelt. Seitdem habe ich den Winkel des erhöhten Kopfteils immer weiter reduziert, bis ich wieder an der Reflux-Grenze war.

 

Sport - ich will nicht leugnen, dass mir die Wiederaufnahme meiner sportlichen Aktivitäten zwar Spaß gemacht hat, dass es aber teilweise auch große Überwindung gekostet hat und mir sehr schwer gefallen ist. Auch heute noch stellen meine sportlichen Leistungsmöglichkeiten für mich eine ständig wechselnde Mischung aus Freude über Erfolge und Enttäuschung über zu schnelle Erschöpfung dar.

 

Privatveranstaltungen - nach einigen nicht so erbaulichen Erfahrungen weiß ich inzwischen, dass der Besuch von Partys, Geburtstagsfeiern u.s.w. sehr anstrengend sein kann. Ein bis zwei Stunden die Freunde sehen und eine Kleinigkeit essen und trinken ist ok,  aber dann will ich irgendwann dringend nach Hause. Ich bin froh, eine sehr verständnisvolle Frau zu haben, die mich dann immer klaglos nach Hause begleitet.

 

Arbeit -  es hat mich sehr viel Kraft gekostet, meine tägliche Arbeit wieder aufzunehmen. Die täglichen 8 Stunden haben mir innerhalb weniger Monate gezeigt, wo meine Grenzen auch in Bezug auf Konzentrationsfähigkeit und Energie liegen. Dies war ein so unbefriedigender Zustand, dass ich mich nach etwa 6 Monaten dazu entschieden habe,  nun doch frühestmöglich in den Ruhestand zu gehen.

 

Bei all diesen Dingen mache ich immer wieder dieselbe Erfahrung:

Es ist gut und richtig, sich immer wieder an die Grenzen heranzutasten, denn nur so ist es möglich, diese Grenzen auch immer weiter hinauszuschieben. Dabei passiert es natürlich oft, dass man seine Grenzen überschreitet, und die Folgen können unangenehm sein, wie z.B. starke Bauchschmerzen, Durchfall, Dumping, Erschöpfung u.s.w.. Zudem kann man in solchen Situationen schon fest mit den gut gemeinten Kommentaren seiner lieben Mitmenschen rechnen: du hättest nicht, du solltest lieber, und beim nächsten Mal weißt du ja hoffentlich Bescheid.....

 

Dazu habe ich eine ganz klare Meinung: wer sich nicht immer wieder selbst herausfordert, der lernt nicht mit seinen Grenzen umzugehen. Und wer nichts wagt, der kann auch nichts gewinnen.

 

 

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