Magenkrebs und Speiseröhrenkrebs überleben
Magenkrebs und Speiseröhrenkrebsüberleben

Das Internet hilft nicht

Mein Hausarzt hatte mir direkt nach Mitteilung meiner ersten Diagnose geraten, nicht so viel im Internet herumzusuchen. Aber ich musste es ja trotzdem tun.

Und es passierte genau dass, was offenbar in den allermeisten Fällen passiert: beim hektischen Überfliegen von allen möglichen Informationen bleibt man an den besonders drastischen Schilderungen hängen. Man saugt genau die furchtbarsten Darstellungen am gründlichsten auf, während etwas sachlichere oder gemäßigte Aussagen kaum unsere Aufmerksamkeit finden. Nach etwa 1-2 Tagen ist man vollgestopft mit allen möglichen unsortierten Horrormeldungen, und es zieht einen noch viel weiter runter als die Diagnose selbst. Am Ende weiß man überhaupt nicht mehr, was wahr oder unwahr, wahrscheinlich oder unwahrscheinlich ist , und es bleibt ein eher diffuses Gefühl, dass jetzt sowieso alles zu Ende ist. Angst vor wahrscheinlich ganz furchtbaren Maßnahmen, und Angst vor dem sicher erscheinenden baldigen Tod. Das Internet hat alles noch viel schlimmer gemacht.

Ich kann deshalb nur dringend dazu raten, es wirklich zu diesem frühen Zeitpunkt noch nicht zu tun. Aber natürlich tut es jeder trotzdem. Und deshalb komme ich aus meiner persönlichen Erfahrung und der anderer Patienten zu folgendem Schluss:

es wird sich in deinem Fall alles ganz, ganz anders darstellen als in allen Fällen, von denen du gehört oder gelesen hast. Denn deine Voraussetzungen sind anders, dein Körper ist anders, deine Ärzte sind anders, und du wirst anders damit umgehen als alle anderen.

Schilderungen von Therapiemaßnahmen, die grausam zu lesen sind, stellen sich später als durchaus erträgliche Dinge heraus. Alle möglichen Nebenwirkungen, die als unerträglich dargestellt werden und dich ganz sicher ereilen sollen, treten nur vereinzelt oder gar nicht auf. Stattdessen wirst du andere Erfahrungen machen, von denen du nie zuvor etwas gelesen hast.

Wenn ich einen Rat geben sollte, wie man am besten mit all dem umgeht, was man in den ersten Tagen im Internet gelesen hat, dann eindeutig diesen:

Vergiss es!

 

 

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